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Kammermusik und Wein

Autorenbild: Mareen BaurMareen Baur

am Samstag, den 5.11.2016, 19.30, in der WG Grantschen (Grantschen Weine eG)


Musik für Blockflöte und Ventilator?


Ja, das gibt’s, allerdings nicht im Sinn eines akustischen Beitrags des Ventilators quasi als Duopartner. Sollte ein solcher gewollt gewesen sein, dann trat er hinter das Blubbern der Weintanks im Gärraum der WG Grantschen zurück, wo die Junge Orchesterakademie der Region Franken gestern ihr traditionelles Konzert „Kammermusik und Wein“ gab. Nein, der Reiz des Stückes „Head Wind“ von Karel van Steenhoven (* 1958) liegt in der optischen Verstärkung der Musik. Man sieht, was man hört – die langen Haare und die fließende Kleidung der Solistin flattern im Luftstrom des Ventilators, ihre fließenden Bewegungen im lebhaften Spiel der Töne formen eine Einheit, deren Zauber sich die Zuhörer nicht entziehen können. Die Solistin Friederike Friedmann bewies ihr hohes professionelles Niveau anschließend durch atemberaubend geschwinde Läufe, die ihren Charakter als Verzierungen gleichwohl behalten und den ruhigen Grundton des Themas und seiner Variationen in Ernest Krähmers (1795-1837) romantischen Originalthema mit Variationen für Sopranblockflöte solo nicht beeinträchtigen. Diese Darbietungen waren zweifellos der Höhepunkt des Abends, sie wurden mit anhaltendem Beifall bedacht und vom dargereichten fruchtigen Kerner der Weingärtnergenossenschaft passend umrahmt.

Nun bietet die JOA zwar auch Musik auf Profiniveau, will aber vornehmlich den begabten Nachwuchs an professionelles Musizieren heranführen. Und so wurde der Abend passend durch die „Fanfarenklänge“ eines Blechbläserensembles der Musikschule Weinsberg eingeleitet (Paul Schuster und David Gazarian, Trompete, Michael Böttcher und Toska Zimmermann, Posaune). Gespielt wurden Praetorius, Ballet aus „Terpsichore“, Haydn, Chorale St. Antoni – der den bekannten Brahm`schen Haydn-Variationen zugrunde liegt ­-, Purcell, Trumpet Voluntary.  Den Abschluss bildete ein Projektorchester der Musikschule Unterer Neckar mit Romanze und Menuetto aus der Serenade Nr. 3 von Robert Fuchs (1847-1927) und der Capriol-Suite in der Fassung für Streichorchester von Peter Warlock ( 1894-1930).


Letztere musste für die Zuhörer schon deshalb interessant sein, weil das lebhafte Stück, das nach Renaissance-Themen „Kapriolen“ schlägt, am kommenden Mittwoch auf den Programm des Württembergischen Kammerorchesters steht. Diesen Vergleich werden sich wohl auch die Mitwirkenden nicht entgehen lassen.




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